Deutsche Gesellschaft für Volkskunde Johannes Gutenberg-Universität Mainz Gesellschaft für Volkskunde in Rheinland-Pfalz
 
 
 
 
 
 
 
   
   

Wie alt sind Sie? 35
Wo ist Ihr aktueller Wohnsitz? Köln
Was ist Ihre momentane berufliche Tätigkeit? Promotion an der Goethe-Universität Frankfurt und parallel freie Usability Beraterin (z.B. für Phaydon research + consulting, Köln)
Wo waren Sie zuvor tätig? ORGAPLAN Software Köln
Was sind Ihre aktuellen Forschungsprojekte bzw. Forschungsschwerpunkte? Aktuell: Interdisziplinäre Dissertation zu Interaktionskontexten in Computer Interfaces, Herausgeberin (zusammen mit M. Mangold und P. Weibel, ZKM Karlsruhe) einer Publikation zum Potenzial neuer Medien für Museen und Bildung, div. Vorträge/Artikel zu digital storytelling; Schwerpunkte: Digitale Medien/Kulturen, Anthropologie des Medialen, Mensch-Maschine Kommunikation und Interaktion, Interfaces (HCI), Usability
Was sind Ihre weiteren Interessensgebiete? Interdisziplinäre Fragestellungen zwischen Medien/Kulturwissenschaften und Technik/Informatik
Worauf freuen Sie sich besonders? Auf den Gedankenaustausch mit
anderen Kongressteilnehmern zu Medienkulturen und digital Ethnographie

Digitale Videostories
Mediale Selbstbefähigung oder 15 Minuten Ruhm?

Anlässlich einer wachsenden Anzahl an Mediendiensten wird in der Öffentlichkeit verstärkt die Charakteristik neuer Medienkulturen diskutiert. Besondere Beachtung findet hier "YouTube",(1) ein Internet-Dienst für das Ansehen und Versenden privater Videos. Aufgrund von 35.000 täglich eingestellten Videos und entsprechend hoher Besucherzahlen konstatiert die Süddeutsche Zeitung: "Es ist also keineswegs kühn zu behaupten, dass YouTube beides ist: Der Inbegriff für Internet-Video. Und der Inbegriff für so etwas wie "Video von unten". […] YouTube ist schon jetzt zu einem Archiv authentischer Inszenierungen des Alltags geworden."(2) Es mag sein, dass das Filmportal mittlerweile das Größte seiner Art ist. Keineswegs neu ist die Tendenz, dem institutionalisierten Wissenstransfer eine Thematisierung, (Selbst)Inszenierung und Mediatisierung des alltäglichen(3) ‚authentischen’ Erlebnisses gegenüberzustellen.

Aus der Perspektive einer Anthropologie des Medialen untersucht der Beitrag am Beispiel digitaler Videostories neue Formen und kulturelle Programme medialer Selbstbefähigung(4) und Inszenierungen dokumentarischer Geschichten. Empirische Basis hierfür sind Fallstudien zur Praxis des Digital Storytelling in unterschiedlich institutionalisierten Kontexten: a) privat (YouTube), b) semi-professionell in Workshops ("Capture Wales"5) und c) über professionelle Medieninstanzen ("Immigrant Stories" der New York Times online). Der Beitrag fokussiert dabei auf technische/mediale Voraussetzungen und Variationen medienintegrierter bzw. -generierter Selbstbezüglichkeit, auf zentrale Intentionen der Produzenten und User sowie auf die Konsequenzen für Inhalte und (Re)Präsentationen eines mediatisierten Alltags in Texten, Bildern, Filmen.

1 http://www.youtube.com (15.06.06).
2 Graff, Bernd: Kamerafahrten durchs planetarische Hinterzimmer. In: Süddeutsche Zeitung. 10./11. Juni 2006, Nr. 132, S. 12.
3 Janshen, Doris: Die Mediatisierung des Alltäglichen. Oder: Zur neuen Politikbedürftigkeit im Privatissimum. In: Bohn, Rainer; Eggo Müller; Rainer Ruppert (Hg.): Ansichten einer künftigen Medienwissenschaft. Berlin 1988. S. 201–213.
4 Zum Konzept medialer Selbstbefähigung und der Evolution eines "Mediensinns" vgl. Faßler, Manfred: Erdachte Welten. Die mediale Evolution globaler Kulturen. Wien, New York 2005.
5 Woletz, Julie und Sissy Helff: Narrating Euro-African Life in Digital Space. In: Bekers, E.; Helff, S.; Merolla, D.: Transcultural Modernities: Narrating Africa in Europe. Conference Proceedings. University Frankfurt, 2006. S. 64–77.

 
 
 
 
 
 
Der Vortrag von Julie Woletz findet statt am:
Mi | 26.9. | 10.00 Uhr
in P4