Deutsche Gesellschaft für Volkskunde Johannes Gutenberg-Universität Mainz Gesellschaft für Volkskunde in Rheinland-Pfalz
 
 
 
   
   
 
 
 
 
   
   
 
 
 
 
   
   
   
   
     

Wie alt sind Sie? 51
Wo ist Ihr aktueller Wohnsitz? Zürich
Was ist Ihre momentane berufliche Tätigkeit? Wissenschaftliche Leiterin der Abt. Populäre Literaturen und Medien am Institut für populäre Kulturen der Universität Zürich, Betreuung des Teilfachs "Populäre Literaturen und Medien" (BA, MA) und des Fachs "Europäische Volksliteratur" (Lizentiatsstudiengang)
Wo waren Sie zuvor tätig? An der Universität Göttingen
Was sind Ihre aktuellen Forschungsprojekte bzw. Forschungsschwerpunkte? 1. Vorbereitung einer Ausstellung im Rahmen der Aktivitäten zum 175-jährigen Bestehen der Universität Zürich 2008 (Thema: Kalifornienbilder), 2. Vorbereitung einer Ausstellung im Schlossmuseum Murnau 2008/08 (Thema: Paul Alfred Müller und die deutschsprachige Science Ficiton-Literatur), 3. Forschungsprojekt zu einer Sammlung von Feldpostbriefen aus dem Zweiten Weltkrieg
Was sind Ihre weiteren Interessensgebiete? Populäre Lesestoffe und Medien (Kinder- und Jugendliteratur und ihre Medialisierung, Walt Disney, Ratgeberliteratur u.a.), (Auto-)Biografisches Erzählen (Zur religiösen Sozialisation, Star-Biografien u.a.). - Mitarbeit am Aufbau eines interdisziplinären Master of Arts in Kulturanalyse an der Universität Zürich
Worauf freuen Sie sich besonders? Auf die Teamarbeit mit Studierenden bei der Erarbeitung der Ausstellungen

Wissensvermittlung durch Unterhaltungsliteratur
Science Fiction der 1920er und 30er Jahre

Jules Verne gilt allgemein als Visionär der technischen Entwicklung, weil in seinen Werken vieles antizipiert ist, was erst später realisiert wurde. Spätestens mit Bekanntwerden seines umfangreichen Zettelkastens wurde klar, dass Verne seine Vorausschau zahllosen Artikeln in Fachzeitschriften über naturwissenschaftliche Entwicklungen und Entdeckungen zu verdanken hatte, die er dann aus der Gegenwart in die Zukunft extrapolierte.

Wie schon Jules Verne arbeiteten auch zahlreiche Science Fiction-Autoren des frühen 20. Jahrhunderts. Sie informierten sich über laufende Forschungen, Erkenntnisse und Entwicklungen, sammelten Nachrichten aus aller Welt und verarbeiteten sie zu unterhaltender Lektüre. Dies trifft in besonderem Masse auf die Autoren von Kolportageliteratur zu – Schriftsteller, die in kürzester Zeit und unter dem Druck ihrer Verleger (und Leser) ungeheure Textmengen produzierten und so zum Umschlagplatz für naturwissenschaftliche, technische, ethnologische und geografische Informationen wurden. Ihr Wissen bezogen sie aus Zeitungen und Zeitschriften, durch persönliche Kontakte mit Forschern und Wissen popularisierende Literatur wie die "Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens" oder "Das neue Universum", um nur zwei langjährige Publikationsreihen zu nennen.

Verleger und Autoren sahen in dieser Wissensvermittlung eine Chance, ihre dem Schundvorwurf ausgesetzten Produktionen pädagogisch aufzuwerten. So hiess es beispielsweise im Vertrag zwischen dem Leipziger Bergmann-Verlag und Paul Alfred Müller für die Serie "Sun Koh. Der Erbe von Atlantis" (150 Hefte, 1933–36): "Besonderer Wert ist in jedem Bande auf eine kurze, fesselnde, gemeinverständliche Belehrung aus dem Gebiet der Technik, der Völkerkunde usw. zu legen. Dadurch soll die Serie eine besondere Note erhalten, bildend wirken und sich über das Niveau ähnlicher Erscheinungen heben." Die Leser nahmen dieses Bildungsangebot gern an, Zeitzeugen berichten, erst durch die Lektüre solcher Heftromane Interesse für ein bestimmtes Sachgebiet entwickelt zu haben. Kritiker wie Jost Hermand und Manfred Nagl betonen dagegen den völkischen Charakter dieser Zukunftsromane, hinter dem die Technik zurücktrete.

Wie genau sieht die Wissensvermittlung in diesen Heftromanen aus? Wie gestaltet sich das Verhältnis von Unterhaltung und Belehrung ganz konkret? Um welche Inhalte geht es? Welche Funktionen und welche narrativen Strategien sind erkennbar? Der Vortrag steht in Zusammenhang mit einem Ausstellungsprojekt über Paul Alfred Müller und die deutschsprachige Science Fiction-Literatur im 20. Jahrhundert, das die Referentin in Kooperation mit dem Schlossmuseum Murnau und dem Zürcher Verlag SSI realisiert.

 
 
 
 
 
 
Der Vortrag von Ingrid Tomkowiak findet statt am:
Mi. | 26.9. | 10.00 Uhr
in P3