Deutsche Gesellschaft für Volkskunde Johannes Gutenberg-Universität Mainz Gesellschaft für Volkskunde in Rheinland-Pfalz
 
 
 
   
   
 
 
 
 
   
   
 
 
 
 
   
   
   
   
     

Wie alt sind Sie? 30
Wo ist Ihr aktueller Wohnsitz? Göttingen
Was ist Ihre momentane berufliche Tätigkeit? Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie der Uni Göttingen.
Wo waren Sie zuvor tätig? Studentische Hilfskraft am Johannes-Künzig-Institut in Freiburg
Was sind Ihre aktuellen Forschungsprojekte bzw. Forschungsschwerpunkte? In meinem Dissertationsprojekt befasse ich mich mit der Entstehung und Nutzung von kulturellem Erbe am Beispiel des 2003 von der UNESCO zum "Masterpiece of the Oral and Intangible Heritage of Humanity" deklarierten Karnevals von Binche/Belgien.
Was sind Ihre weiteren Interessensgebiete? Heritage, Kultur als politische und ökonomische Ressource, Tradition in der Spätmoderne, Wettbewerb als kulturelle Praxis, Kommodifizierung von Kultur
Worauf freuen Sie sich besonders? Auf spannende Vorträge, nette Kontakte … und natürlich auf die Mainzelmännchen!

Die Inszenierung der Inszenierung
Zur medialen Selbstdarstellung im Wettbewerb um den Titel "Welterbe"

Seit 2001 stattet die UNESCO mit dem Programm "Masterpieces of the Oral and Intangible Heritage of Humanity" neben materieller auch immaterielle Kultur mit dem Prädikat "Welterbe" aus. Die Praxis der Kandidaturen und des Auswahlverfahrens hat sich an ein neues Verständnis von Kultur angepasst, das diese als dynamische soziale Praxis interpretiert: Neben einem wissenschaftlichen Dossier wird auch ein zehnminütiger professioneller Film verlangt, der die Jury über das potentielle Welterbe informieren soll.

Während das Dossier nach genauen Richtlinien die "cultural expression" – so die UNESCO – in einen wissenschaftlichen Text mit einer vorgegebenen Gliederung übersetzt, soll der Film nur die charakteristischsten Merkmale zeigen. Ergänzend zum wissenschaftlichen Dossier macht der Film die kulturelle Handlung für die Jury auch akustisch und visuell erfahrbar.

Ausgehend von im Rahmen meines Forschungsprojektes erhobenen empirischen Daten möchte ich die beiden Wissensformate – mit Schwerpunkt auf den "Bewerbungsfilm" – sowie deren Produzenten am Beispiel der Bewerbung des Karnevals der belgischen Stadt Binche fokussieren.

Neben der Frage nach den Gesetzmäßigkeiten der medialen Repräsentation des Karnevals werden auch die Akteure in den Blick genommen, die das Dossier und den Film erstellt haben: Welche Erwartungen knüpften sie an die medialen Repräsentationen; welche Akteure wurden für die Wissensproduktion auf welcher Ebene ausgewählt; welche Rolle spielte die bei der Bewerbung zugrunde liegende Wettbewerbssituation, und wie haben die Akteure welche Handlung in Text und Film ausgewählt und übersetzt.

Da die Wissensproduzenten lokale Akteure aus Binche waren, geht es v.a. darum, wie diese die beiden Formate nutzten, um die eigene Tradition im Kontext des Wettbewerbs zu inszenieren. Die Produktion der medialen Präsentation erforderte den für die Entstehung von kulturellem Erbe so bedeutsamen reflexiven – metakulturellen – Blick auf die lokale Performanz.

Der Vortrag steht im größeren Kontext der Wissensforschung: In beiden Medienformaten wird historisches und ethnographisches Wissen vermittelt und genutzt; das dargestellte kulturelle Erbe wird im Akt der Repräsentation konstruiert, inszeniert und in ein reflexives Verweissystem übersetzt.

 
 
 
 
 
 
Der Vortrag von Markus Tauschek findet statt am:
Mi | 26.9. | 13.00 Uhr
in P2