|


Wie
alt sind Sie? 34 Jahre
Wo ist Ihr aktueller Wohnsitz? Bochum
Was ist Ihre momentane berufliche Tätigkeit? Ich
habe gerade meine Promotion abgeschlossen, bereite nun die
Veröffentlichung meiner Dissertation vor und plane gleichzeitig
meine weitere berufliche Laufbahn.
Wo waren Sie zuvor tätig? Sowohl selbständig
als auch angestellt im Bereich Design/Konzeption und Projekt/Produktmanagement.
Was sind Ihre aktuellen Forschungsprojekte bzw. Forschungsschwerpunkte?
Corporate Fashion, Unternehmenskommunikation
Was sind Ihre weiteren Interessensgebiete? Design &
Gender, Mode, Kleidung allgemein
Worauf freuen Sie sich besonders? Auf die Verwertung
der Forschungsergebnisse meiner Dissertation
'Unternehmensmode'
Vestimentäre Inszenierungen von Geschlecht in der Corporate
Identity
Kleidung
und Mode stellen, von Wirtschaftsunternehmen strategisch platziert,
Corporate Identity (CI) dar, sowohl in persönlicher Kommunikation,
z. B. auf Messen, als auch in ihren Selbstdarstellungen. Durch
marginale Produktunterschiede verlagert sich die Aufmerksamkeit
auf virtuelle Markenwerte und die Sichtbarkeit von MitarbeiterInnen
als Verkörperung der Firmenidentität.
Umgesetzt wird die eigene visuelle Positionierung durch Corporate
Design (CD), das auf im kulturellen Gedächtnis vorhandene
Elemente und somit dort verwurzelte Stereotypen zurückgreift.
In den vestimentären Ausprägungen des CD werden
somit u.a. hegemoniale Vorstellungen von Geschlechterrollen
reproduziert.
Auf
welche bekannten Kleidungselemente und -codes wird aber bei
der Inszenierung von Geschlecht im Unternehmenskontext zurückgegriffen?
Lassen sich Zuordnungen von Geschlechterrollen zu bestimmten
Aussagen in Unternehmenskontexten verallgemeinern? Zur Klärung
wurde exemplarisch ein Ausschnitt der Selbstdarstellung von
drei Unternehmen analysiert. Neben deren Messepräsenz
bilden diverse Unternehmensbroschüren und Pressematerial
den Materialkorpus.
In
Kombination quantitativer und qualitativer Methoden habe ich
eine intermediale Analyse erarbeitet. Dabei wurden die medial
zu sehenden Kleidungsstücke ins Verhältnis zu den
darzustellenden Unternehmenswerten (diese wiederum
sind den Selbstbeschreibungen der CI entnommen) gesetzt. Die
Grounded Theory lieferte für dieses bislang kaum erforschte
Feld das Handwerkszeug (ungleichzeitige Datenerhebung und
Kodierung, Bildung von Analysekategorien und ihre Anreicherung
mit den extrahierten Daten).
Aus
der Analyse geht hervor, dass männliche und weibliche
Kleidung diametralen Aussagekontexten zugewiesen wird. An
Ausschnitten der empirischen Untersuchung zeige ich, wie Unternehmen
Geschlechterstereotypen affirmativ zuspitzen, wie Geschlecht
und Geschlechterdichotomie instrumentalisiert und reproduziert
werden. Stehen Werte wie Seriosität oder
Kompetenz im Vordergrund, tragen die involvierten
Personen vor allem männliche offizielle
Kleidungselemente, insbesondere den Herrenanzug. Frauen tragen
als Pendant Hosenanzug oder Jackett mit Rock. Anders bei der
Darstellung z.B. von Innovation oder der Illustration
der offerierten Lifestylewelten: Hier dominiert
eine private Ansprache der KonsumentInnen mit
weiblicher und informeller, also privater Kleidung, auf Messen
verbunden insbesondere mit dem Einsatz von Messehostessen.
Unternehmen instrumentalisieren und affirmieren und polarisieren
in ihrer Unternehmensmode Geschlecht wirkmächtig
durch Massenmedien quasi global omnipräsent: Zum
einen Weiblichkeit für Kategorien des Privaten und Informellen
(innovativ, kreativ, emotional), verknüpft mit Männlichkeit
zum anderen für Kategorien des Öffentlichen und
Formellen (Professionalität, Sachlichkeit, Kompetenz).
|