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Wie
alt sind Sie? 39
Wo ist Ihr aktueller Wohnsitz? Marburg
Was ist Ihre momentane berufliche Tätigkeit? Promovendin
Wo waren Sie zuvor tätig? Fachhochschule Furtwangen
Was sind Ihre aktuellen Forschungsprojekte bzw. Forschungsschwerpunkte?
Fußballfankultur
Was sind Ihre weiteren Interessensgebiete? Methoden
und Methodologie ethnographischer Forschung, Techniknutzung,
Mädchen in Jugendkulturen
Worauf freuen Sie sich besonders? Diskussionen

Die
Girlisierung des Fußballs ist misslungen
Eine Fallstudie zu Fußball, Medien und Geschlecht im
Kontext der WM-Berichterstattung 2006
Mit
der WM 2006 werden neben der Titelneukreation "Weltmeister
der Herzen" zwei Themen verbunden bleiben: Der neue Umgang
der Deutschen mit Schwarz-Rot-Gold und die "Tatsache",
dass sich genauso viele Frauen wie Männer für Fußball
interessieren. Fußball ist öffentlich und Profifußball
findet zum Großteil in den Medien und für die Medien
statt. Der öffentliche Fußball ist männlich
konnotiert, er gilt sogar als "letztes Reservat der Männlichkeit".
Wenn man den Medien glaubt, ist dieses letzte Reservat seit
einiger Zeit bedroht von Frauen, die sich für Fußball
interessieren, die Stadien stürmen und die letzte Männerdomäne
erobern. Womit dann auch die Gleichberechtigung zwischen den
Geschlechtern als abgeschlossen gelten könne.
Dieser
Beitrag zeichnet in einem ersten Schritt nach, wie sich dieses
neue Geschlechter-Bild medial etabliert hat. Fußballspieler
werden in den Medien zunehmend auch unter Star-Aspekten behandelt,
Home- und Lovestorys über Fußballer bringen Privates
(Heim und Familie) in die Öffentlichkeit. Dieses Interesse
am Privaten der öffentlichen Personen ist weiblich konnotiert
und impliziert die Vorstellung weiblicher Konsumentinnen dieser
Geschichten. Prompt entsteht aber auch hierzu eine Opposition,
wenn etwa das Feuilleton postuliert, der Fußball müsse
vor der "Samba-Girlisierung des Fußballs"
(Frankfurter Rundschau) geschützt werden.
Im
Unterschied zu dieser populären Medien-These einer Geschlechteregalität
der Fußballbegeisterung zeigt meine mehrjährige
Feldforschung in den Fankurven der Bundesliga, dass sich der
Frauenanteil in den Stadien in den letzten Jahren real kaum
erhöht hat, er liegt konstant bei 25 Prozent. Zudem stellt
sich die Fankultur in den Stadien ebenfalls unverändert
als stark von stereotyper Männlichkeit geprägt dar.
Dieser zweite Teil des Beitrags fragt nach dem komplexen Verhältnis
der medial behaupteten, neuen Geschlechteregalität in
der Fußballfankultur und dem Alltag und Erleben der
Fans in den Stadien.
Als
dritten Aspekt thematisiere ich in meinem Beitrag das Verhältnis
zwischen Medien und ethnographischer Fußballfanforschung.
Anhand meiner eigenen Presseinterviews zum Thema Fußball
und Geschlecht im Kontext der WM-Berichterstattung lässt
sich nachzeichnen, welche Forschungsergebnisse wie in die
Berichterstattung eingebaut werden und an welchen (immer wiederkehrenden)
Stellen Aussagen ins Gegenteil verkehrt wurden. Auf der Grundlage
dieser drei empirischen Befunde resümiere ich schließlich,
auf welche Art und Weise Geschlechterstereotypen paradoxerweise
gerade durch das öffentliche Verkünden ihrer Veränderung/Auflösung
(re-)konstruiert werden.
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