Deutsche Gesellschaft für Volkskunde Johannes Gutenberg-Universität Mainz Gesellschaft für Volkskunde in Rheinland-Pfalz
 
 
 
   
   
 
 
 
 
   
   
 
 
 
 
   
   
   
   
     

Wie alt sind Sie? 51
Wo ist Ihr aktueller Wohnsitz? Wien
Was ist Ihre momentane berufliche Tätigkeit? Freiberuflicher Psychoanalytiker/Iindividualpsychologie (seit 1996), Dozent für Europäische Ethnologie an der Univ. Wien (seit 2005), Professor an der Sigmund-Freud-Privatuniversität Wien, Lehrstuhl für Psychotherapiewissenschaft II (seit 2007)
Wo waren Sie zuvor tätig? 1984-1998 Gymnasiallehrer und Erzieher in Wien, 2005-2006 Vertretungsprofessur W 2 am Institut für Volkskunde der Univ. München
Was sind Ihre aktuellen Forschungsprojekte bzw. Forschungsschwerpunkte? 1.) Entstehung der Psychoanalyse aus dem Geist der Wiener Mentalitätsgeschichte (Schwerpunkt Theatrum-Mundi-Metapher), 2.) Volkskundlich-tiefenpsychologische Katastrophenforschung, Projekt Lawinenkatastrophe Galtür im Winter 1999: Inwieweit haben die Einheimischen die Katastrophe verarbeitet?
Was sind Ihre weiteren Interessensgebiete? Kulturgeschichte der Friesen, Eisenbahn und Modelleisenbahn, Comics von Carl Barks in der Übersetzung von Erika Fuchs, Super-Acht-Filmen (gibt es noch!), Fotografieren mit der Leica M 7 (gibt es auch noch!)
Worauf freuen Sie sich besonders? Plaudern mit Kolleginnen und Kollegen, Wiedersehen mit Michael Simon und seinen MitarbeiterInnen

Überall war Entenhausen
Die Comics von Carl Barks in der Übersetzung von Erika Fuchs

Die auflagenstarken Barks-Comics in der Übersetzung der promovierten Kunsthistorikerin Erika Fuchs haben das Welt- und Selbstbild der Nachkriegsgeneration in der BRD entscheidend mitgeprägt. Sie vermittelten ein spezifisches Bild fremder Völker genauso wie der Einwohner Entenhausens, die als Spiegel menschlicher Stärken und vor allem Schwächen fungieren. Gefragt wird also nach einer "Ethnographie" aus Enten-Perspektive bzw. danach, warum Figuren wie Donald Duck, Dagobert Duck, Gustav Gans oder Tick, Trick und Track geeignete Projektionsflächen für die Nachkriegsgeneration boten. Darüber hinaus werden Spezifika der deutschen Übersetzung thematisiert, denn die Mischung aus populärem Bildmedium und einer an der Dichtung der Deutschen Klassik orientierten Hochsprache mit einer Fülle an klassischen Zitaten ist einzigartig in der Comicwelt und hat sogar dazu geführt, dass Wortschöpfungen von Erika Fuchs Eingang in die Alltagssprache gefunden haben ("Dem Ingenieur ist nichts zu schwör" u.a.).

Der Beitrag ist dem Bereich "Rolle der Medien bei der Konstruktion und Produktion von Wirklichkeit" zuzuordnen. Dabei geht es auch um "Umbrüche in der Medienlandschaft" (Einführung und Erfolg von Comics in den 50er Jahren) sowie um "Wechselwirkungen und Verflechtungen zwischen verschiedenen Medien", nämlich zwischen Comic und klassischer Dichtung.

Gefragt wird nach den Gründen für den Erfolg der Comics und nach ihrem Einfluss auf die Konstruktion von Wirklichkeit. Als empirische Basis dient die deutsche Übersetzung der "Carl Barks Collection" in 30 Bänden (2005ff.). Der Vortrag versteht sich als erste Vorarbeit zu einer geplanten Monographie, in der die skizzierten Fragestellungen aus ethnologischer und psychologischer Sicht ausführlicher thematisiert werden sollen.

 
 
Bernd Rieken
 
 
 
 
Der Vortrag von Bernd Rieken findet statt am:
Di | 25.9. | 9.00 Uhr
in P3
 
 
 
 
Hören Sie hier
Bernd Rieken im Interview
(MP3 2:58 min)