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Wie
alt sind Sie? 44
Wo ist Ihr aktueller Wohnsitz? Nieder-Olm bei Mainz
Was ist Ihre momentane berufliche Tätigkeit? Wissenschaftliche
Assistentin an der Abteilung Kulturanthropologie/Volkskunde
des Deutschen Instituts der Johannes Gutenberg-Universität
Mainz
Was sind Ihre aktuellen Forschungsprojekte bzw. Forschungsschwerpunkte?
Die Bedeutung des Eugen Diederichs Verlages für die Disziplin
Volkskunde
Was sind Ihre weiteren Interessensgebiete? Geschichte
des Fachs / Kultur des Laien- und Amateurtheaters / Regionale
Kulturforschung / Volkskundliche Erzählforschung
Worauf freuen Sie sich besonders? Ich freue mich darauf,
Kollegen wiederzutreffen und neue kennenzulernen sowie auf
den kollegialen und persönlichen Austausch.

"Ein
Wegbereiter zur Zukunft?"
Der Verleger Eugen Diederichs und die Volkskunde
Welche
Bedeutung kommt Eugen Diederichs und seinem Verlag für
die entstehende Disziplin Volkskunde zu? Im
August 1924 schrieb Diederichs an den Grazer Volkskundler
Viktor von Geramb über seinen letztlich gescheiterten
Versuch, eine "Lehrkanzel für Volkskunde" an
der Universität Jena einzurichten. Fünf Semester
lang hatte dort Hans Naumann volkskundliche Veranstaltungen
angeboten, ermöglicht durch eine Stiftung Diederichs,
der die junge wissenschaftliche Disziplin tatkräftig
fördern wollte. Nachdem der Stiftungsbetrag der Inflation
zum Opfer gefallen war, kündigte Diederichs von Geramb
gegenüber an, er werde sich mit seinem Verlag statt dessen
in "allerlei Volkstumsbestrebungen stürzen"
und eine Reihe "in der Nachfolge Jacob Grimms" beginnen.
In dieser Reihe, die nach einer Formulierung von Goethe "Deutsche
Volkheit" genannt wurde, publizierten so unterschiedliche
Volkskundler wie Eugen Fehrle, Hans Naumann, Will-Erich Peuckert,
Friedrich Sieber und Adolf Spamer. Mit seinen Buchreihen beabsichtigte
Diederichs, zur Popularisierung der Volkskunde beizutragen,
denn "hier verbindet sich die Wissenschaft mit dem unmittelbaren
Volksleben und wird diesem ein Wegweiser."
Zu
Beginn des 20. Jahrhunderts war das Buch noch ein Leitmedium.
Nicht einzelnen Büchern jedoch gestand Diederichs zu,
die Leserschaft und ihr Denken zu beeinflussen, wohl aber
einer "Buchorganisation", wie er die Reihen seines
Verlages nannte. Die Erzählforschung beförderte
er durch die Reihen "Märchen der Weltliteratur",
"Deutscher Sagenschatz" und "Die deutschen
Volksbücher". Mit den einzelnen Werken der Reihe
"Deutsche Volkheit" wollte der Verleger einen Buchtypus
schaffen, der das "ganze Volk zur Leserschaft eint".
Den Sujets der Volkskunde maß er demnach gesellschaftsverändernde
Kraft zu. Es soll der Frage nachgegangen werden, ob Eugen
Diederichs für die Disziplin Volkskunde ein "Wegbereiter
zur Zukunft" war wie es ein Leitspruch seiner
verlegerischen Arbeit suggeriert. Im Vortrag wird insbesondere
auf die Zusammenarbeit des Verlages mit Will-Erich Peuckert
sowie mit Adolf Spamer eingegangen.
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