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Wie
alt sind Sie? 33, aber erst seit kurzem
Wo ist Ihr aktueller Wohnsitz? In Berlin, genau zwischen
Kreuzberg und Mitte. Und manchmal noch in Marburg, so steht
es auch auf meinem Nummernschild
Was ist Ihre momentane berufliche Tätigkeit? Gemäß
den Spielregeln der Spätmoderne gibt es da mehrere. Ich
bin Feuilletonist und Fernsehkritiker für die taz, Autoredakteur
und Reisejournalist für die Frankfurter Rundschau, Juror
des Adolf-Grimme-Preises (okay, nicht wirklich eine berufliche
Tätigkeit), Buchautor, Dozent, Stilkritiker ...
Wo waren Sie zuvor tätig? überall und nirgends
Was sind Ihre aktuellen Forschungsprojekte bzw. Forschungsschwerpunkte?
Das Fernsehen, die Dinge und die beschleunigte Welt. Nachzulesen
etwa in "Unfall Portrait eines automobilen Moments",
das ganz frisch im Marburger Jonas-Verlag erschienen ist.
Oder in einem Glossar zum Tatort-Krimi, das punktgenau zum
Kongress im sowieso wunderbaren Du-Magazin erscheinen wird.
Weiteres bahnt sich gerade an. Eine Dissertation zu Retrophänomenen
/ Retro als Phänomen ist im Werden.
Was sind Ihre weiteren Interessensgebiete? Frankreich,
Birmingham, und die Notizzettel von Walter Benjamin und Niklas
Luhmann. Gut gearbeite Schuhe, Vinylschallplatten, Hemd, Jacke,
Hose, das Automobil und seine gesellschaftlichen Bedingungen.
Worauf freuen Sie sich besonders? Auf den gemeinsamen
Abendvortrag von John Fiske, Matt Groening und Alexander Kluge.
Aber der fällt ja leider aus ...
Auf
Wiederfernsehen
Die Bilder von Heute und ihr Bild vom Gestern
Die
Fernseher werden immer größer das Fernsehen
selbst wird immer kleiner. Nicht wenige sehen es schon in
verpixelten YouTube-Fenstern verschwinden. Zwar sitzen dann
immer noch Millionen vor den Mattscheiben ganz so wie
früher während der großen Samstagabendshow
aber alle sehen ihren eigenen Film. Von hundert oder
auch fünfhundert spezialisierten Spartenkanälen
sprechen jene, die sich mit der Zukunft des digitalen Fernsehens
beschäftigt haben. Überall Streams, aber kein Mainstream
mehr, höchstens während einer Fußballweltmeisterschaft.
Um
noch ein vielleicht letztes Mal gesellschaftliche Zusammen-
wie Übereinkünfte zu produzieren, reisen die großen
Sender gegenwärtig durch die Vergangenheit: Unter den
Bedingungen der Spätmoderne wurde das Genre des Historienfilms
neu erfunden. Es hat dabei, flüchtig betrachtet, auch
von den Kulturwissenschaften gelernt. Von A wie Alltagskultur
bis Z wie Zeitzeuge.
Recycling,
Remake, Reflektion, Rekonstruktion: Längst leben wir
in einer Re-Dekade, erklären wir uns die Befindlichkeiten
von Heute auch über die Befunde eines Gestern. Das Medium
Fernsehen führt sie uns vor, die Sturmflut und die Bombennächte,
die Wunder von Bern oder Lengede. Bald ist es ein deutscher
Herbst und im kommenden Jahr der vierzigste Jahrestag eines
gesellschaftlichen Klimawandels, im Kino hat Uschi Obermeier
ja schon einmal den Anfang gemacht.
Zwischen
neokonservativen Retro-Shows, öffentlich-rechtlichen
Zeitreisen und perfekt ausgeleuchteten Kostümfilmen möchte
ich der Frage nachgehen, warum das Gestern in unserer Fernsehlandschaft
so gegenwärtig ist. Warum Geschichtsversessenheit und
Geschichtsvergessenheit so eng beieinanderstehen. "Künftig",
so hat es Paul Virilio einmal gesagt, "künftig ist
alles nah, einschließlich der Zukunft." Die Vergangenheit,
sie ist es längst und sowieso. Aber sie bleibt unerreichbar
weit entfernt. Vielleicht weiter denn je.
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