Deutsche Gesellschaft für Volkskunde Johannes Gutenberg-Universität Mainz Gesellschaft für Volkskunde in Rheinland-Pfalz
 
 
 
   
   
 
 
 
 
   
   
 
 
 
 
   
   
   
   
     

Populäre Spielfilme als Quelle für eine Kultur- und Alltagsgeschichte der DDR

Populär werden nach John Fiske stets solche kulturellen Waren, die erstens eine Relevanz zum Alltagsleben haben, zweitens potentiell vieldeutig sind und in denen sich drittens die Zuschauer widersetzig im mikropolitischen Sinn verhalten können. Der populäre Spielfilm ist in diesem Sinne eine unter bestimmten Bedingungen und Machtverhältnissen produzierte kulturelle Ware, die mit politischen und intellektuellen Ambitionen und Intentionen aufgeladen ist, deren Bedeutungen sich jedoch erst im Aufeinandertreffen mit der Zuschauerschaft realisieren. Erst im multivalenten Lesen der kulturellen Ware, in den verschiedenen Lesarten, entsteht der bzw. entstehen die eigentlichen Texte. In diesem Sinne sollen verschiedene Deutungsmöglichkeiten an einem konkreten Filmbeispiel herausgearbeitet und vor dem Hintergrund jeweiliger Alltagserfahrungen im politischen System kontextualisiert werden.

Einige DEFA-Filme haben nach der Wende eine unerwartete Aufwertung erfahren, manche erlangten sogar Kultstatus. Dabei sind die Ostdeutschen zu DDR-Zeiten immer seltener ins Kino gegangen – und wenn, dann nicht unbedingt in einen DEFA-Film. Die DEFA-Regisseure hatten nicht nur, ja nicht einmal zuerst, mit der Kulturpolitik zu kämpfen, ihr größtes Problem war das Publikum, das sich den Kassenreißern aus den USA, Frankreich oder Italien zuwandte. Nur wenigen DEFA-Filmen gelang es, da mitzuhalten. Und diese populären Filme bzw. das Vergnügen, das die Zuschauer damals hatten und heute noch haben, sind der Ausgangspunkt meiner Untersuchung. Von dort aus werden Perspektiven für eine Kultur- und Alltagsgeschichte der DDR entwickelt.

 
 
 
 
 
 
Der Vortrag von Ina Merkel findet statt am:
Mo | 24.9. | 9.00 Uhr
in P1