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Wie
alt sind Sie? 61
Wo ist Ihr aktueller Wohnsitz? Tübingen
Was ist Ihre momentane berufliche Tätigkeit? Wiss.
Angestellter am Ludwig-Uhland-Institut für Empirische
Kulturwissenschaft
Wo waren Sie zuvor tätig? Freiberuflich als Publizist
und Verlagslektor, Mitarbeiter außeruniversitärer
Forschungsinstitute, Vertretungen und Projektstellen in Tübingen,
Berlin, Marburg
Was sind Ihre aktuellen Forschungsprojekte bzw. Forschungsschwerpunkte?
Ästhetische Erfahrung im Alltag; Serialität und
Popularität
Was sind Ihre weiteren Interessensgebiete? Populärkultur
und ihre Gegner seit dem 18. Jahrhundert; Amerikanisierung
/ kulturelle Transfers; Geschichte des Jugendmedienschutzes
Worauf freuen Sie sich besonders? Natürlich auf
meinen Vortrag

In
der Falle?
Über Kulturkritik, Ohnmacht und Selbst-Verständnis
volkskundlich-kulturwissenschaftlicher Medienforschung
Manchmal
kann man auf den Gedanken kommen, die Kulturkritik habe in
der Europäischen Ethnologie einen späten Sieg errungen.
Und zwar in ganz verdrehter Form. Jahrzehntelang mit guten
Gründen als elitär und erkenntnishemmend attackiert,
liefert sie heute in der gesellschaftlichen Selbstverständigung
über die Rolle der Medien nur noch Rückzugsgefechte:
ein kurzer Sturm im Blätterwald, wenn ein besonders "geschmackloses"
Programmformat eingeführt wird und dann läuft
das business as usual weiter. Eine zentrale Stellung nimmt
die Kulturkritik nur noch in unserem Fach ein: Sie dient als
unverzichtbarer Pappkamerad, als Legitimationskulisse, vor
der sich volkskundlich-kulturwissenschaftliche Medienforschung
ihrer Progressivität und Liberalität, ihrer Empathie
für "the people" versichern kann.
Denn
wenn es elitär und rückwärtsgewandt ist, Mediennutzung
und Medienpraxis der einfachen Leute zu kritisieren, dann
steht automatisch auf der richtigen Seite, wer nach Verständnis
für alle und jede Variante populärer Medienkultur
sucht und noch im unappetitlichsten und entwürdigendsten
Angebot ein Quäntchen Widerstand zu entdecken vermag.
Angenehmer Nebeneffekt: eine Rechtfertigung der persönlichen
Mediennutzung und der zweifelhaften Befriedigungen, die das
aufklärerische Über-Ich uns immer noch vermiesen
will.
War
da nicht, wie immer verzerrt, ein humaner und demokratischer
Anspruch bei Adorno, Postman und anderen? Wie befreit man
sich aus der Falle? Wie könnte eine Kritik der populären
Medienkultur nach der Kulturkritik aussehen?
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