Deutsche Gesellschaft für Volkskunde Johannes Gutenberg-Universität Mainz Gesellschaft für Volkskunde in Rheinland-Pfalz
 
 
 
   
   
 
 
 
 
   
   
 
 
 
 
   
   
   
   
     

Wie alt sind Sie? 33 Jahr (Geb. 1974)
Wo ist Ihr aktueller Wohnsitz? Berlin
Was ist Ihre momentane berufliche Tätigkeit? Doktorandin, seit 10/2006
gefördert vom evangelischen Studienwerk e.V. Villigst
Wo waren Sie zuvor tätig? 06/2003 – 07/2006 Wissenschaftliche
Mitarbeiterin am Institut für Europäische Ethnologie der
Humboldt-Universität zu Berlin in dem DFG-Projekt: Volkskunde als
öffentliche Wissenschaft. Die Wissens- und Wissenschaftsgeschichte der
Berliner Volkskunde 1860 - 1960.
Was sind Ihre aktuellen Forschungsprojekte bzw. Forschungsschwerpunkte? Populärkultur in der DDR der 50er Jahre
(besonders die staatlich geförderte "Kulturarbeit" in den
Volkskunstzirkel); Wissens-/Wissenschaftsgeschichte
Was sind Ihre weiteren Interessensgebiete? Migration,
Integration/Ausgrenzung, Spiritualität
Worauf freuen Sie sich besonders? Auf anregende Diskussionen bezüglich
meiner Präsentation sowie auf Querverweise und neue Überlegungen zum
theoretischen Kontext des "Wissenstransfers" in meinem Panel.

Wissenschaftspopularisierung und Wissenstransfer
Die Volkskunst in der frühen DDR zwischen Kunst, Kulturpolitik und Wissenschaft

In der DDR der 50er Jahre hatte die "Volkskunst" einen hohen Stellenwert als realistische und "vom Volk geschaffene" Kunst. Sie wurde im Rahmen der sozialistischen Kulturpolitik als ästhetische Praxis der Auseinandersetzung mit der industriellen Moderne verstanden und mit dem Entwurf einer sozialistischen Gesellschaft und einem sozialistischen Menschenbild verknüpft. Allerdings wurden mit "Laienkunst" bzw. "Volkskunst" nicht nur bildende Kunst und Kunsthandwerk bezeichnet, sondern auch Volkstanz, Volksmusik oder Laienspiel. Mit
diesen staatlich geförderten kollektiven Freizeitangeboten waren soziale, ideelle, kreative und erzieherische Komponenten verbunden, die ein Gegenmodell zur kapitalistischen Unterhaltungsindustrie darstellen sollten. Die Idee einer "sozialistischen Volkskultur" wurde dabei in Wettbewerben und Ausstellungen popularisiert.

In meinem Vortrag sollen die verschiedenen Akteure der DDR-Volkskunst in den unterschiedlichen kulturpolitischen Etappen dargestellt und ihre Auseinandersetzung um die inhaltliche Bestimmung der sozialistischen Kulturarbeit und deren praktische Umsetzung in den Volkskunstzirkeln skizziert werden. Die wissenschaftliche Volkskunde nutzte anfangs das Klima einer kulturpolitischen Aufwertung der Volkskunstarbeit zu ihrer fachlichen Neukonzeption in der sozialistischen DDR. Auch Mitglieder traditioneller Volkskunsteinrichtungen und Laienkunstgruppen reagierten oftmals positiv auf die Förderung der kulturell-künstlerischen Initiativen. Die zunehmende Ideologisierung und Instrumentalisierung der Volkskunst als ein "Baustein zum Sozialismus" wurde dagegen offen kritisiert, ignoriert oder nur widerwillig angenommen. So gab es beispielsweise Diskussionen über "dogmatische Formen" an Stelle von "künstlerischer Gestaltung" und über die Einengung und Gängelung der "schöpferischen Initiative der Werktätigen auf dem Gebiet der Volkskunst". Die verschiedenen Vorstellungen einer "richtigen" Volkskultur sollen für die 50er Jahre anhand der unterschiedlichen Positionen und entsprechenden Argumentationen umrissen werden. Dabei werden Fragen nach Übersetzungen, Anpassungen und Grenzziehungen gestellt sowie Dominanzen und Hierarchien in dem Aushandlungsprozess analysiert.

 
 
Cornelia Kühn
 
 
 
 
Der Vortrag von Cornelia Kühn findet statt am:
Mo | 24.9. | 17.00 Uhr
in P2