Deutsche Gesellschaft für Volkskunde Johannes Gutenberg-Universität Mainz Gesellschaft für Volkskunde in Rheinland-Pfalz
 
 
 
   
   
 
 
 
 
   
   
 
 
 
 
   
   
   
   
     

Wie alt sind Sie? 45
Wo ist Ihr aktueller Wohnsitz? Berlin
Was ist Ihre momentane berufliche Tätigkeit? Hochschulassistentin am Institut für Europäische Ethnologie, Humboldt-Universität zu Berlin
Wo waren Sie zuvor tätig? Ludwig-Uhland Institut für Kulturwissenschaften, Universität Tübngen
Was sind Ihre aktuellen Forschungsprojekte bzw. Forschungsschwerpunkte? Ökonomien der Reproduktion / Verwandtschaft und neue Reproduktionstechnologien im Prozess der Biomedikalisierung: Perspektiven der Kultur- und Sozialanthropologie / Aufmerksamkeitsstörungen (ADS/ADHD) als symptomatischer Ort: Bio-Kulturelle Artikulationen und reflexive Wissensformen / Städtische Sommerkarnevale, Spektakel der Differenz und soziale Enkorporation
Was sind Ihre weiteren Interessensgebiete? Anthropology of Gender / Kulturanthropologie der Bioethik / Religionsethnologie / Spezifik ethnographischer Wissensproduktion
Worauf freuen Sie sich besonders? Viele Wiedersehen!

Contemporary Uses of Ethnography
Zur Politik, Spezifik und gegenwartskulturellen Relevanz ethnographischer Texte

In den Debatten der 80er und frühen 90er Jahre über die Krise der ethnographischen Repräsentation und die Politik und Poetik ethnographischer Beschreibung wurde vor allem die Fiktion zu Grabe getragen, es könne eine irgendwie unproblematische, neutrale, nicht-involvierte Beschreibungspraxis kultureller Prozesse und Konstellationen "dort draußen" geben. Jede Beschreibung "von etwas" entpuppte sich immer schon als von Theorie durchdrungen, von Interessen geleitet und von Positionen abhängig. Im Mittelpunkt der disziplinären Selbstaufklärung standen ein facettenreicheres Verständnis der textuellen Dimensionen von Ethnographie und Plädoyers für eine ethnographische Praxis, die die Bedingungen ihrer eigenen Wissensproduktion mit reflektiert. Der insgesamt dekonstruktive Impetus der damaligen Debatten war notwendig und hilfreich; gegenwärtig drängende Fragen nach der Spezifik und den Möglichkeiten ethnographischer Wissensproduktion weisen jedoch in eine andere Richtung. Mein Beitrag überprüft und diskutiert die Besonderheiten und Potentiale der Ethnographie als Genre der Repräsentation und als soziale sowie intervenierende Praxis exemplarisch in einem Subfeld sozial- und kulturanthropologischer Wissenschaftsforschung, am Beispiel zweier Ethnographien zu den sozialen und kulturellen Implikationen neuer Reproduktionstechnologien. Die Fragen nach dem epistemologischen und theoretischen Potential ethnographischer Beschreibung, die hier virulent werden, haben jedoch Relevanz auch über dieses thematische Feld hinaus: Welches besondere Potential bieten ethnographische Beschreibungen als mikroskopische und in ihrer Detailflut exzessive Erkundungen "from within the social order" in interdisziplinären Kontexten der Wissensproduktion? In welchem Verhältnis steht die besondere Temporalität der Ethnographie zu anderen, häufig sehr viel "schnelleren" Formen der Wissensproduktion? Gibt es Möglichkeiten einer antizipatorischen Ethnographie, die aktuelle Prozesse nicht nur nach-, sondern mitvollzieht? Welche Bedeutung hat die komparative Analytik von Ethnographien in Arbeitsfeldern und Teilnahme-Welten, die zugleich hochgradig lokal und global strukturiert sind? Und: Um was für eine Art von Medium handelt es sich bei der Ethnographie, wenn sie gesellschaftlich nur wenig wahrgenommen wird?

 
 
 
 
 
 
Der Vortrag von Michi Knecht findet statt am:
Mo | 24.9. | 17.00 Uhr
in P4