Deutsche Gesellschaft für Volkskunde Johannes Gutenberg-Universität Mainz Gesellschaft für Volkskunde in Rheinland-Pfalz
 
 
 
   
   
 
 
 
 
   
   
 
 
 
 
   
   
   
   
     

Wie alt sind Sie? 28 Jahre
Wo ist Ihr aktueller Wohnsitz? Berlin
Was ist Ihre momentane berufliche Tätigkeit? Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin im Forschungsprojekt "Verwandtschaft als Repräsentation sozialer Ordnung" (SFB 640, Institut für Europäische Ethnologie, HU Berlin)
Wo waren Sie zuvor tätig? ESRC Centre for Genomics in Society, Exeter, GB
Was sind Ihre aktuellen Forschungsprojekte bzw. Forschungsschwerpunkte? Verwandtschaftsanthropologie/Kinship Studies, Wissenschaftsforschung/STS, Wissenschaftskommunikation, Wissensanthropologie, Medizinanthropologie. Meine Dissertation läuft unter dem Arbeitstitel "Familiales 'Wissensmanagement' bei assistierter Reproduktion: Kreative Alltagstaktiken und regulatives Gate-Keeping"
Was sind Ihre weiteren Interessensgebiete? Ansonsten schlägt mein Herz noch ab und zu für die britischen Cultural Studies und, seit neuestem, für Science Fiction Visionen/Versionen meines Forschungsfeldes
Worauf freuen Sie sich besonders? Diskussionen, Denkanstöße, Kolleginnen und Kollegen

Verwandtschaft wissen
Familiäres und regulatives "Wissensmanagement" im Bereich assistierter Reproduktion

Wissen um (biologische) Verwandtschaft kommt nach westlichen Verwandtschaftsvorstellungen eine besondere konstitutive Bedeutung zu: "Its social effect is immediate, built-in" (Strathern). Mein Panel-Beitrag beschäftigt sich mit dem strategischen und kreativen Einsatz von Zeugungs- und Herkunftswissen in Familien, gegründet durch heterologe reproduktionsmedizinische Behandlung oder Adoption. Eltern und Kinder sind zudem – je nach Behandlungsland bzw. (Auslands-) Adoptionsland – mit unterschiedlichen regulativen Zugangsbedingungen zum Verwandtschaftswissen um Spender und Herkunftsfamilien konfrontiert. Medien, an erster Stelle natürlich das Internet, aber auch Bücher und Zeitschriften, spielen in diesem familialen "Wissensmanagement" eine zentrale Rolle. So kann das Internet einerseits genutzt werden, um das staatliche Gate-Keeping zu umgehen – zum Beispiel über informelle reproduktionstechnische "Verabredungen" oder durch neue Internet-basierte Möglichkeiten der DNS-Analyse. Andererseits bietet das Netz neben Wissensressourcen für ein geschicktes Agieren gegenüber Autoritäten wie Ärzten und Adoptionsvermittlern und dem Austausch mit Betroffenen auch Zugang zu Kinderbüchern, die den Eltern bei einer Narrativierung der Verwandtschaftsgeschichte ihrer Kinder helfen sollen. Die Kinderbücher und Informationen über diese speziellen Formate sind im Buchhandel wegen ihrer niedrigen Auflagen und des Vertriebs durch Kleinstverlage oder Privatpersonen oft schwer zu bekommen. Mein Vortrag über das skizzierte Spannungsfeld zwischen Diskretion und Transparenz gegenüber dem sozialen Umfeld, regulativen Rahmenbedingungen und kreativer Narrativierung stützt sich empirisch in erster Line auf biografische Interviews mit betroffenen Familien.

 
 
Maren Klotz
 
 
 
 
Der Vortrag von Maren Klotz findet statt am:
Mo | 24.9. | 14.30 Uhr
in P4