Deutsche Gesellschaft für Volkskunde Johannes Gutenberg-Universität Mainz Gesellschaft für Volkskunde in Rheinland-Pfalz
 
 
 
   
   
 
 
 
 
   
   
 
 
 
 
   
   
   
   
     

Alter: 39
Wohnsitz: Bern (CH)
Ihre berufliche Tätigkeit zur Zeit? Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Seminar für Kulturwissenschaft / Europ. Ethnologie der Universität Basel und freiberufliche Ausstellungsmacherin für kulturhistorische Ausstellungen.
Wo waren Sie zuvor tätig? Als Konservatorin im Historischen Museum Aargau, Schloß Lenzburg (CH), zuständig für internationale Zusammenarbeit bei Ausstellungen im Budapesti Történeti Mùzeum (Historisches Museum der Stadt Budapest) (HU), als Kuratorin im Olympia Museum Sarajevo ( BiH) und aktuell neben der Anstellung an der Universität Basel als Projektleiterin im Vindonissa-Museum Brugg (CH) für die neue Dauerausstellung.
Ihre aktuellen Forschungsprojekte? Dissertation im Rahmen des SNF-Projektes "Private Fotografie als visuelles Gedächtnis von Lebensgeschichte" zu private Fotografie und Migration.
Ihre Forschungsschwerpunkte insgesamt? Fotopraxis mit kulturwissenschaftlicher Perspektive, Migration, Erinnerung und Gedächtnis, Sinnbildungsprozesse und Identität vor allem in Gesellschaften mit politischer Transformation.
Ihre weiteren Interessensgebiete? Objektkundliche Forschungen und museologische Fragestellungen.
Worauf freuen Sie sich besonders? Auf anregende Fragen und Diskussionen.

Saskia Klaassen

Migrantinnen und Migranten im Umgang mit ihren privaten Fotos

Innerhalb des Forschungsprojektes "Private Fotografie als visuelles Gedächtnis von Lebensgeschichte", das vom Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung finanziert wird, arbeite ich an meiner Dissertation zu "Migration und Fotografie". Diese Arbeit möchte ich am Kongress gerne vorstellen.

Anhand von Migrationsbiographien zwischen Bosnien-Herzegowina und der Schweiz untersuche ich die privaten Fotos von Migrantinnen und Migranten. Es geht darum aufzuzeigen, wie sich Migration als Sachverhalt in privaten Bildern spiegelt und welche Bedeutung die Fotos und der Umgang mit ihnen vor allem im Bezug auf die Brüche im Leben und die Erfahrung von Liminalität haben. Es soll zudem untersucht werden, wie sich die Sinngebung in der jeweils neuen Lebenssituation gestaltet. Die Fotos befriedigen zu einem Teil das Bedürfnis nach Dauerhaftigkeit in Zeiten des Wandels und der Unsicherheit. Augenblicke werden im Bild festgehalten und über Raum und Zeit transportiert. Es interessiert in meiner Arbeit daher auch, wie sich Erinnerungsbilder von ausserhalb eigener Erfahrung in Gewohnheiten und Lebensentwürfe einschreiben und wie die Bilder kulturell sanktionierte Evidenz erhalten.

Das Projekt ermöglicht zum einen, private Fotos als Quellen der Erinnerung und des medialen Ausdrucks zu erforschen. Zum anderen lassen sich Strategien untersuchen, mit deren Hilfe Migrantinnen und Migranten strukturelle Situationen der Unsicherheit auf verschiedenen Erlebnis- und Erfahrungsebenen überwinden. Die auf Dauer ausgerichtete Verlagerung des Lebensmittelpunktes in eine andere Gesellschaft birgt Risiken und Chancen. In der Dissertation möchte ich aufzeigen, wie damit im Bild umgegangen wird und wie diese Themen mittels der Bilder an das Herkunftsumfeld kommuniziert werden.

Mein Referat wird voraussichtlich drei der genannten Aspekte der Tagung besonders berücksichtigen, wobei der erste und der dritte Punkt klar im Vordergrund stehen:

  • Rolle der Medien bei der Konstruktion und Produktion von Wirklichkeit
  • Differente Alltagspraxen der Aneignung und Verarbeitung von sowie des Umgangs mit Medien
  • Wissenstransfer und Methodologie, Speicherfunktion von Medien im Sinne eines "kulturellen Gedächtnisses"

Ein grosser Teil der Feldforschung ist bereits erfolgt. Bis zum Kongresstermin werde ich voraussichtlich mitten in der Analysearbeit sein und hoffe, im Referat schon erste Ergebnisse vorab präsentieren zu können. Bisher ist ein Aufsatz im Zusammenhang mit dem Projekt erschienen:
Klaassen Nägeli, Saskia: Private Fotos: Exponate im Museum der Lebensgeschichte. In: Irene Ziehe und Ulrich Hägele (Hg.): Fotos – ‚schön und nützlich zugleich ...‘. Das Objekt Fotografie (Visuelle Kultur. Studien und Materialien, Bd. 2), Münster 2006, S. 237–249.

 
 
Saskia Klaassen
 
 
 
 
Der Vortrag von Saskia Klaassen findet statt am:
Mo | 24.9. | 14.30 Uhr
in P3