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Wie
alt sind Sie? Jahrgang 1944
Wo ist Ihr aktueller Wohnsitz? Hamburg
Was ist Ihre momentane berufliche Tätigkeit? Universitäts-Professor
(für Populäre Kultur)
Wo waren Sie zuvor tätig? Schiller National-Museum
Marbach
Was sind Ihre aktuellen Forschungsprojekte bzw. Forschungsschwerpunkte?
Geschichte und Theorie der Unterhaltung
Was sind Ihre weiteren Interessensgebiete? Ausstellung
als populäres Medium
Belehrung
und Unterhaltung
Die Diskussion um das populäre Sachbuch in den "Blättern
für literarische Unterhaltung" (18181895)
Wohl
kaum ein Gedanke aus der Geschichte der abendländischen
Poetik ist so folgenreich geworden wie die Formulierung von
Horaz aus dem Brief an die Pisonen: "Entweder nützen
oder erfreuen wollen die Dichter, oder zugleich, was erfreut
und nützlich fürs Leben ist, sagen." (Verse
333f.) Zusammen mit der Erläuterung durch die Verse 343f.
"Jede Stimme erhielt, der Süßes und Nützliches
mischte, indem er den Leser ergötzte und gleichermaßen
belehrte" hat sie die Poetiken bis ins 18. Jahrhundert
bestimmt und auch danach die Vorstellung, wie und was Literatur
zu sein habe, wesentlich beeinflusst. Der Akkord aus Nutzen
und Erfreuen ist in allen seinen Spielarten so umfassend und
grundlegend, dass an ihm kaum jemand vorbei kommt, der sich
über Funktion und Aufgabe der Literatur oder heute der
von massenmedialen Phänomenen äußert.
Die
zur Formel erstarrte Forderung von Horaz hat im Verlauf der
Geschichte sowohl eine Verengung als auch Erweiterungen erfahren.
Auf der einen Seite wurde das aut ... aut kausal
als ein Um-zu-Verhältnis gedeutet und damit
die Spannung zwischen dem Erfreuen und dem Belehren kassiert.
Zu erfreuen ist dann keine eigenständige Funktion mehr,
sondern dient der Belehrung. Auf der anderen Seite ließ
sich die Formel von Horaz durch Neuinterpretationen, was denn
das Erfreuen ist, bzw. was mit Belehrung angestrebt wird,
immer wieder an veränderte kulturelle Zusammenhänge
anpassen.
Vor
allem, als die von oben, von der Kritik als Forderung an die
Literaturproduzenten gedachte Maxime nun von unten, vom Leser
aus betrachtet wurde, veränderte sich ihre Deutung, und
das Delectare wurde zu einer dominanten, zumindest zu einer
selbständig gedachten Literaturfunktion.
Diese
Entwicklung fällt zusammen mit der Ausbildung einer populäreren
Literatur- und Medienkultur, wie sich an der Diskussion um
das populäre Sachbuch in den "Blättern für
literarische Unterhaltung" (18181895) zeigen lässt.
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