Deutsche Gesellschaft für Volkskunde Johannes Gutenberg-Universität Mainz Gesellschaft für Volkskunde in Rheinland-Pfalz
 
 
 
   
   
 
 
 
 
   
   
 
 
 
 
   
   
   
   
     

Alter: 37
Wohnsitz: München
Ihre berufliche Tätigkeit zur Zeit? Hochschulassistentin am Institut für Volkskunde/Europäische Ethnologie
Ihre aktuellen Forschungsprojekte? Integration und Partizipation von migrantischen Hausarbeiterinnen, EU-Forschungsprojekt, Europäisierung der Migrationspolitik am Beispiel zweier migrationspolitischer Think Tanks
Wo waren Sie zuvor tätig? In Berlin an der HU bei den Europäischen Ethnologen
Ihre Forschungsschwerpunkte insgesamt? Gender, Migration und Globalisierungsprozesse, Europa und Europäisierung, politische Anthropologie
Ihre weiteren Interessensgebiete? medizische Anthropologie, Arbeitskulturen, Feldkonstruktion und Forschungsdesign, Interdisziplinäre Ansätze
Worüber werden Sie auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde in Mainz referieren? Über die gestiegene Bedeutung von Wissenspraktiken für die neue Regierungsweise des Governance im Rahmen der Europäischen Union
Worauf freuen Sie sich besonders? Kollegen und Kolleginnen zu sehen

Das Wissen (von) der Migration
Zur Bedeutung von Wissensprozessen für die neue Kunst des Regierens der Migration in Europa

Untersucht man die EU-internen und -nahen Institutionen und Gruppen, die sich mit europäischer Migrationspolitik befassen, wird offensichtlich, dass die Mehrheit der eingesetzten high-level working groups oder neuartigen Agenturen vor allem mit Wissensprozessen zu tun haben. So hat die Vergemeinschaftung dieses Politikbereichs und seine Transformation im Rahmen der EU zu einer massiven Zunahme der Generierung, Erfassung, Speicherung, der Bearbeitung, des Austauschs und der Weitergabe diverser Daten geführt. Dabei wurde vor allem der geregelte transnationale und transdisziplinäre Wissenstransfer sowie die Lokalisierung und Implementierung des Wissens im (Verwaltungs-)Handeln der EU zum Problem.

Eine wissens-ethnographische und kulturanthropologisch angeleitete Forschung, wie ich sie in den letzten Jahren zur Implementierung der EU-Migrationspolitik in der Türkei (teils im Kontext des Forschungsprojekts TRANSIT MIGRATION) und zur neuen Bedeutung von think tanks in diesem Politikfeld durchführe, kann dabei deutlich machen, dass eine derartige wissensbasierte Politik nicht nur neue politische Akteure und Praxen hervorbringt bzw. wichtig macht, sondern auch ihr Objekt des Wissens neu "erschafft" und konturiert. Gerade eine praxeologisch angeleitete Politikanalyse kann zeigen, wie sich der neue Politikstil des "Governance" konturiert und bis weit in die sogenannte Zivilgesellschaft ausgreift und sie aktiviert.

Allerdings kann eine multi-sited Ethnographie auch zeigen, dass derartige Wissenspolitiken – die auch immer als Repräsentationspolitiken zu verstehen sind – selbst nach Innen wie nach Außen subjektivierend wirken und nie ohne Reaktion bleiben. So haben gerade die auf spezifischem Wissen basierenden migrationspolitischen Klassifikationen wie beispielsweise die Kategorie des "Flüchtlings" und ihre "Beweislast" neue Wissensmakler, -transfers, -produkte und Diskurse unter Migranten und Migrantinnen hervorgebracht, die mit unterschiedlich widerständigen Taktiken und Schlichen (De Certeau oder Homi Bhaba) arbeiten.

 
 
Sabine Hess
 
 
 
 
Der Vortrag von Sabine Hess findet statt am:
Mo | 24.9. | 14.30 Uhr
in P4