|

"Wie
man das in den amerikanischen Filmen auch kennt"
Film- und Medienbilder in der biographischen Kommunikation
Dass
Medienrezeption vor allem auch im Sinne einer "kommunikativen
Aneignung" (W. Holly et al.) geschieht, gerät in
der Medienforschung erst langsam in den Blickpunkt des Interesses.
Auch bei der Betrachtung von allgemeineren Strukturmerkmalen
(Handlungsmuster, Topoi, rhetorische Figuren) biographischer
Kommunikation bzw. biographischer Interviews ist dies bisher
nicht systematisch betrachtet worden. Dabei kommen Bezüge
auf Medien insbesondere auf Filme und Filmbilder
im rekonstruierenden Sprechen häufig zum Einsatz. Aufschlussreich
ist eine Analyse dieser Medienbezüge sowohl hinsichtlich
der Interaktion in Interviewsituationen als auch für
die Frage der kommunikativen Funktion dieses alltagssprachlichen
Einsatzes von Medienerfahrungen. In einem weiteren Sinne lässt
sich so auch die Rolle von Medien als Bilderreservoire für
Erinnerungen diskutieren.
Anhand
ausgewählter Beispiele aus dem Interviewbestand des Archivs
für alltägliches Erzählen des Hamburger Instituts
für Volkskunde sollen im Vortrag drei unterschiedliche
Aspekte beispielhaft diskutiert werden.
(1) Zunächst geht es um die Topoi und Sprachbilder des
autobiographischen Erzählens, bei denen auf Medienbilder
zurückgegriffen wird. Mit diesen Formen des Medienbezugs,
bei denen eigene Erfahrungen mit Umschreibungen wie "wie
im Film" gedeutet und illustriert werden, werden kulturell
akzeptierte und medial vermittelte Wissensbestände deutlich.
Es zeigt sich zudem, wie diese Bilder kommunikativ zum Überbrücken
unterschiedlicher Erfahrungshorizonte eingesetzt werden.
(2) Medien fungieren als Stimuli und Reflexionsfolie für
die Auseinandersetzung mit eigenen Erfahrungen und Erinnerungen.
Rezipierte Fernsehsendungen oder Filme führen zu Auseinandersetzungen
mit oder Anregungen zu eigenen Erinnerungen und werden vor
diesem Hintergrund verbalisierbar.
(3) Zuletzt werden Medieninhalte als thematische Ressource
in Form von "Medienrekonstruktionen" (A. Keppler)
eingesetzt, um in Gesprächssituationen gemeinsame Bezugspunkte
herzustellen.
|