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Wohlergehen
durch Zeitmanagement?
Die Bedeutung von Ratgebermedien bei der zeitlichen Orientierung
im Alltag
Der
"richtige" Umgang mit der Zeit wird in der Gegenwart
intensiv diskutiert. Zeitkompetenz ist eine moderne Schlüsselkompetenz
geworden, wobei die Notwendigkeit der komplexen zeitlichen
Strukturierung des Alltags mit Verdichtung, Desynchronisierung
und Individualisierung alltäglicher Zeitabläufe
korreliert. Ratgeber zum Zeitmanagement versprechen auf individueller
Ebene Hilfe zur Effizienzsteigerung und zum Wiederfinden der
Eigenzeit. Doch paradoxerweise steigt der Beratungsbedarf
mit dem Angebot an Beratung.
Die
Ratgeber bauen auf spezifischen Zeitvorstellungen auf, ohne
dass Zeit selbst genauer reflektiert wird. Nachdem die Zeit
selbst nicht "gemanagt" werden kann, ist der Ansatzpunkt
der Ratgeber, anders als es deren Titel verspricht, das Handeln
in der Zeit und die zeitliche Organisation alltäglicher
Tätigkeiten. Hinter Zeitkonflikten stehen Interessenskonflikte
bzw. desynchrone Zeitstrukturierungen auf individueller, sozialer
oder kultureller Ebene. Neben Ratschlägen für die
zeitliche Optimierung des alltäglichen Handelns raten
die Ratgeber-autoren zu einer Hierarchisierung von Tätigkeiten
unter normativen und individuellen Zielvorstellungen, etwa
der Lebensziele und der work-life-balance.
Die
durch Ratgeber medial angeregten Veränderungen der Zeitwahrnehmungen
und die Entwicklung eines auf die Zukunft ausgerichteten Zeichensystems
ist handlungsmotivierend für die Gegenwart. Damit wird
die beratende und ordnende Kompetenz wieder an den Leser zurückgegeben.
In der wissenschaftlichen Rezeption wird Ratgeberliteratur
zumeist diskursanalytisch betrachtet und angesichts eines
blühenden Marktes zum Zeitmanagement erstaunt es, dass
solche Ratgeber und die darauf aufbauenden Kurse kaum empirisch
hinterfragt werden. Daher werden in diesem Vortrag über
die Medienanalyse hinausgehend exemplarisch Zugänge und
Umsetzungen durch Benutzer vorgestellt. Dabei geht es nicht
nur um die zeitliche Strukturierung und die individuelle Aneignung,
sondern zudem um die kulturellen Werte, Normen und Zeitvorstellungen,
die durch die Zeitratgeber vermittelt werden.
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