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Gender
in Motion?
Zur öffentlichen Rezeption transnationaler Kultur am
Beispiel des Bollywood-Kinos
Globalisierung
bewirkt nicht nur eine Verstärkung, Beschleunigung und
Ausweitung transnationaler Ethnoscapes und Mediascapes (Appadurai)
Beachtung verdienen auch damit einhergehende Grenzüberschreitungen,
denn ethnische, kulturelle und mediale Ströme fließen
keineswegs parallel und in einheitlichen Bahnen. So überschreitet
die weltweite Rezeption der Produkte der indischen Filmindustrie
die Grenzen der südasiatischen Diaspora. Ein Publikum,
dessen Bedürfnisse und Sehnsüchte westliche Kulturindustrie
nur ungenügend zu stillen vermag, begrüßt
und forciert aktiv den Kulturtransfer, welcher eine Integration
von Elementen indischer Populärkultur anstrebt. Doch
besitzt die Assimilation allochtoner Kultur stets auch das
Potential für oppositionelle Lesarten und Neuinterpretationen
(oder Missverständnisse). Genderdiskurse sind ein zentraler
Aspekt des indischen Kinos. Dabei werden (meist konservative)
weibliche Tugenden zum Symbol nationaler Ehre stilisiert.
Was dies in einem "fremden" kulturellen und nationalen
Kontext bedeutet, wurde bereits anhand des Diaspora-Publikums
untersucht. Subversive Lektüren populärer Hindifilme
sind deutlich im Werk von indischen Diaspora-Filmemacherinnen
erkennbar.
Wie
aber rezipiert das deutschsprachige Publikum Bollywood und
wie reagiert es auf dessen Geschlechterrollen-Klischees? Meist
handelt es sich dabei um weibliche Fans, die einerseits Kritik
üben an westlichen Männerbildern. Die Emotionalität
der "weinenden Helden" Bollywoods wird idealisiert.
Bevorzugt werden melodramatische Genres, die das Ideal der
romantischen Liebe feiern. Anderseits wird vermeintlich feministische
Kritik mit orientalistischen Stereotypen vermengt. Häufig
ist sogar eine Identifikation mit dem in konservativen Filmen
kritisierten Vamp anzutreffen. Bollywood-Fankultur erlaubt
ein Spiel mit exotischer Fremdheit. Zu beachten aber ist insbesondere
die Multikulturalität des deutschsprachigen Publikums,
zum Beispiel fällt der hohe Anteil an türkischen
Migrantinnen zweiter Generation auf, wodurch die Vielfalt
der Rezeptionsweisen zusätzlich gesteigert wird.
Diese
Pluralität von Herkunftskulturen, Zugängen und Interessen
des Bollywood-Publikums lässt sich auch im Internet beobachten.
Genderdiskurse als Film- und Gesellschaftskritik sind ein
zentraler Aspekt in Bollywood-Foren. Das Internet bietet Usern
eine paradoxe Situation intimer Öffentlichkeit. Im Zentrum
des Beitrags steht die Analyse der Genderthematik in der Online-Bollywood-Szene
des deutschen Sprachraums.
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