Deutsche Gesellschaft für Volkskunde Johannes Gutenberg-Universität Mainz Gesellschaft für Volkskunde in Rheinland-Pfalz
 
 
 
   
   
 
 
 
 
   
   
 
 
 
 
   
   
   
   
     

Wie alt sind Sie? 37 Jahre
Wo ist Ihr aktueller Wohnsitz? Braunschweig und Marburg
Was ist Ihre momentane berufliche Tätigkeit? Projektkoordinatorin in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Technischen Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Wo waren Sie zuvor tätig? Landesmuseum Stuttgart (Volontärin, Wissenschaftliche Mitarbeiterin), Landesstelle für Museumsbetreuung Baden-Württemberg (Wissenschaftliche Mitarbeiterin), Promotionsstipendiatin des Evangelischen Studienwerks Villigst e.V. und der Flughaften Stiftung Frankfurt am Main
Was sind Ihre aktuellen Forschungsprojekte bzw. Forschungsschwerpunkte? Symbolisierungsprozesse: Technikkatastrophen und Medien (inhaltliche Weiterführung der abgeschlossenen Dissertation "Zeppelin-Ereignisse. Fortschritt und Katastrophe als kulturwissenschaftliches Thema")
Was sind Ihre weiteren Interessensgebiete? Körperpolitik, Dingforschung, Ausstellungswesen, Wissenschaftskommunikation und Wissenskultur
Worauf freuen Sie sich besonders? Auf die neuen Perspektiven im Fach und die interessanten Gespräche am Rande.

Technikkatastrophen als Ereignis
Das Zeppelin-Unglück in Lakehurst/USA am 5. Mai 1937

Technische Katastrophen besetzen immer wieder aufs Neue die Schlagzeilen nationaler und internationaler Medienformate. In augenfälliger Weise fokussieren die vor Ort angefertigten Fotografien und Filmsequenzen insbesondere die Artefakte und den Grad ihrer Destruktion. Hieraus resultiert eine visuelle Dominanz des Sächlichen, die unweigerlich zu einer Privilegierung von Perspektiven auf das Katastrophale führt. Der Prozeß der Medialisierung transformiert die bis dahin von Fortschrittsoptimismus getragene Mensch-Technik-Beziehung in symbolisch besetzte Schreckensbilder. Aufgrund dieser Symbolisierungen sind Katastrophen nicht nur als technisches oder mediales, sondern auch als kulturelles Ereignis zu verstehen.

Dieses Phänomen läßt sich am Beispiel des am 5. Mai 1937 während eines Landemanövers in Lakehurst nahe New York City explodierten Zeppelin-Luftschiffs "LZ 129 Hindenburg" verdeutlichen. Anhand von sogenannten "Live-Bildern" möchte ich in meinem Vortrag aufzeigen, inwieweit mit solchen Aufnahmen Bedeutungen von Katastrophen generiert werden. Dem Material nähere ich mich in Anlehnung an Karl-Sigismund Kramers Entwurf zur "Dingbedeutsamkeit" mit einem sachkulturbezogenem Zugang. Zwei Analyseebenen interessieren dabei besonders: Zum einen die durch den katastrophalen Akt der Zerstörung hervorgerufene Metamorphose der positiv besetzten Symbolik des Zeppelins einschließlich der daran gekoppelten Subjekt-Objekt-Relation. Zum anderen frage ich nach den Folgen und Effekten der medialen Transformation des Entsetzlichen. Einige Fotos sind seit ihrer Veröffentlichung Bestandteil des kollektiven Gedächtnisses. Bis heute begegnen uns diese Bilder in jeweils neuen Kontexten. Deshalb kann von einer medialen Re-Inszenierung des Katastrophalen gesprochen werden. Dieser zweite Teil der Interpretation befaßt sich also mit der Ikonographie des Schreckens und ihrem kulturellen Nachleben bis in die Gegenwart.

 
 
 
 
 
 
Der Vortrag von Saskia Frank findet statt am:
Di | 25.9. | 9.00 Uhr
in P3