Deutsche Gesellschaft für Volkskunde Johannes Gutenberg-Universität Mainz Gesellschaft für Volkskunde in Rheinland-Pfalz
 
 
 
   
   
 
 
 
 
   
   
 
 
 
 
   
   
   
   
     

Die spätmoderne Reziprozität von Medien und Wissen
Zur Autorisierung und Positionierung von "kulturwissenschaftlichem" Wissen

Die qualitativ und quantitativ gesteigerte Medialität des Alltags am Ende des 20. bzw. zu Beginn des 21. Jahrhunderts lässt sich einordnen in eine veränderte Form der Gesellschaft. Der Steigerung der Medien entspricht eine Vervielfachung des Wissens und dessen Verbreitung. Mit der Benennung der gegenwärtigen (westl.) Gesellschaften als "Wissensgesellschaften" wird diese Entwicklung auf einen Begriff gebracht.

Die Wissenschaften sind wesentlich in diese (Neu-)Formierung der Gesellschaft eingebunden und gleichzeitig an ihr beteiligt: Expertise stellt eine grundlegende Ressource für alle gesellschaftlichen Bereiche dar. Die gewachsene Zahl der Experten und des Expertenwissens generiert allerdings eine Konkurrenz des Wissens und der Wissensproduktion, von der gerade das bisherige Wissensmonopol der Wissenschaft herausgefordert wird. Die Institutionen, der Status und die Funktionalität unterschiedlichen Wissens werden jetzt auf ihre Relevanz und Autorität hin befragt und müssen sich immer wieder neu ihrer eigenen Legitimität – nach aussen wie nach innen – versichern. Die Medialisierung des Wissens erhält in diesem Kontext eine veränderte und erhöhte Bedeutung.

Auch die Kulturwissenschaft(en) sind von dieser neuen Bedeutung der Medialität stark herausgefordert. Sie stehen vor der Aufgabe, ihr spezifisches Wissen in einem konkurrenzbasierten Umfeld zu positionieren und zu vermitteln, sowie anhand dieses Wissens ihre (weitere) institutionelle Existenz zu rechtfertigen. Vor diesem Hintergrund soll in selbstre flexiver Perspektive die Frage behandelt werden, wie die konkrete Wahl von Medien das volkskundlich-kulturwissenschaftliche Wissen beeinflusst. Vice versa formuliert sich daraus eine zweite Frage: Wie schreibt sich diese Medialisierung in das fachliche Wissen der Volkskunde/Europäischen Ethnologie/Kulturwissenschaft ein?

Anhand konkreter Beispiele aus dem Feld der volkskundlich-kulturwissenschaftlichen Stadtforschung, die (inhaltlich und institutionell) eine Scharnierfunktion zwischen den traditionellen fachlichen Wissensbeständen und interdisziplinärer kulturwissenschaftlicher Innovation einnimmt, soll die gegenseitige und per definitionem untrennbare Imprägnierung von Wissen und Medien vorgestellt werden.

 
 
 
 
 
 
Der Vortrag von Sabine Eggmann findet statt am:
Mo | 24.9. | 17.00 Uhr
in P2