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Die
spätmoderne Reziprozität von Medien und Wissen
Zur Autorisierung und Positionierung von "kulturwissenschaftlichem"
Wissen
Die
qualitativ und quantitativ gesteigerte Medialität des
Alltags am Ende des 20. bzw. zu Beginn des 21. Jahrhunderts
lässt sich einordnen in eine veränderte Form der
Gesellschaft. Der Steigerung der Medien entspricht eine Vervielfachung
des Wissens und dessen Verbreitung. Mit der Benennung der
gegenwärtigen (westl.) Gesellschaften als "Wissensgesellschaften"
wird diese Entwicklung auf einen Begriff gebracht.
Die
Wissenschaften sind wesentlich in diese (Neu-)Formierung der
Gesellschaft eingebunden und gleichzeitig an ihr beteiligt:
Expertise stellt eine grundlegende Ressource für alle
gesellschaftlichen Bereiche dar. Die gewachsene Zahl der Experten
und des Expertenwissens generiert allerdings eine Konkurrenz
des Wissens und der Wissensproduktion, von der gerade das
bisherige Wissensmonopol der Wissenschaft herausgefordert
wird. Die Institutionen, der Status und die Funktionalität
unterschiedlichen Wissens werden jetzt auf ihre Relevanz und
Autorität hin befragt und müssen sich immer wieder
neu ihrer eigenen Legitimität nach aussen wie
nach innen versichern. Die Medialisierung des Wissens
erhält in diesem Kontext eine veränderte und erhöhte
Bedeutung.
Auch
die Kulturwissenschaft(en) sind von dieser neuen Bedeutung
der Medialität stark herausgefordert. Sie stehen vor
der Aufgabe, ihr spezifisches Wissen in einem konkurrenzbasierten
Umfeld zu positionieren und zu vermitteln, sowie anhand dieses
Wissens ihre (weitere) institutionelle Existenz zu rechtfertigen.
Vor diesem Hintergrund soll in selbstre flexiver Perspektive
die Frage behandelt werden, wie die konkrete Wahl von Medien
das volkskundlich-kulturwissenschaftliche Wissen beeinflusst.
Vice versa formuliert sich daraus eine zweite Frage: Wie schreibt
sich diese Medialisierung in das fachliche Wissen der Volkskunde/Europäischen
Ethnologie/Kulturwissenschaft ein?
Anhand
konkreter Beispiele aus dem Feld der volkskundlich-kulturwissenschaftlichen
Stadtforschung, die (inhaltlich und institutionell) eine Scharnierfunktion
zwischen den traditionellen fachlichen Wissensbeständen
und interdisziplinärer kulturwissenschaftlicher Innovation
einnimmt, soll die gegenseitige und per definitionem untrennbare
Imprägnierung von Wissen und Medien vorgestellt werden.
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