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Wie
alt sind Sie? 34
Wo ist Ihr aktueller Wohnsitz? in Berlin
Was ist Ihre momentane berufliche Tätigkeit? Wissenschaftliche
Mitarbeiterin im SFB 640 Teilprojekt C4 "Verwandtschaftskulturen"
- Humboldt Universität Berlin
Wo waren Sie zuvor tätig? Ich war Stipendiatin
der Heinrich Böll Stiftung
Was sind Ihre aktuellen Forschungsprojekte bzw. Forschungsschwerpunkte?
Infertilität und ungewollte Kinderlosigkeit in der Türkei,
Reproduktionstechnologien
Was sind Ihre weiteren Interessensgebiete? Migration,
Demographie, Generationenbeziehungen
Worauf freuen Sie sich besonders? Auf die Diskussionen
und Kommentare
Medien
und Geheimnisse: IVF in Istanbul-Türkei
Die
Zahl hoch technisierter, reproduktionsmedizinischer Kliniken
und IVF-Zentren in Großstädten der Westtürkei
ist in den letzten zehn Jahren explosionsartig gestiegen.
Wissen über hier angebotene Verfahren wie beispielsweise
IVF (in vitro-Fertilisation) oder ICSI (Intrazytoplasmatische
Spermieninjektion) wird primär über verschiedene
Massenmedien weitergegeben, die moralische, soziale oder politische
Tabus in Bezug auf männliche oder weibliche Unfruchtbarkeit
und ungewollte Kinderlosigkeit nicht einhalten.
Um
das gesetzliche Werbeverbot für den Gesundheitssektor
zu umgehen, senden und veröffentlichen Fernsehsender
und Printmedien Gesundheitsmagazine und Reihen zu IVF zur
Aufklärung und Information der Bevölkerung. Die
Verbreitung von IVF-Wissen und der Versuch, assistierende
Reproduktionsmedizin in der Gesellschaft mit Hilfe von Medien
zu etablieren, erweitern die Handlungsspielräume betroffener,
kinderloser Paare. Medien verändern gleichzeitig das
gesellschaftliche Selbstverständnis, indem sie Tabus,
die der Reproduktionsmedizin angehaftet werden, durchbrechen.
Denn reproduktionsmedizinischen Verfahren und Behandlungen,
obwohl stark genutzt, wird in der Bevölkerung mit Skepsis
begegnet.
Weit
verbreitet ist die Vorstellung, dass IVF-Behandlungen mithilfe
von Fremdsamen durchgeführt werden. Aus diesem Grund
halten viele betroffene Paare ihre IVF-Behandlung auch vor
der eigenen Familie geheim. Das über die Medien erworbene
reproduktionsmedizinische Wissen wird jedoch in ein Alltagswissen
transferiert, das es gestattet, mit der eigenen Situation
anders umzugehen. Erklärungen und Begründungen für
Kinderlosigkeit werden entlang zweier Dimensionen entwickelt.
Die eine Dimension dient als Erklärungsfolie für
die eigene, persönliche und familiäre Ebene, die
andere für die soziale Umwelt.
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