Deutsche Gesellschaft für Volkskunde Johannes Gutenberg-Universität Mainz Gesellschaft für Volkskunde in Rheinland-Pfalz
 
 
 
   
   
 
 
 
 
   
   
 
 
 
 
   
   
   
   
     

Wie alt sind Sie? 46 Jahre
Wo ist Ihr aktueller Wohnsitz? Freiburg / Breisgau
Was ist Ihre momentane berufliche Tätigkeit? Ich arbeite seit 2000 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Historischen Seminar der Universität Freiburg.
Wo waren Sie zuvor tätig? Als Volontärin im Deutschen Uhrenmuseum in Furtwangen und als freie Mitarbeiterin im Historischen Museum des Hochstifts Paderborn
Was sind Ihre aktuellen Forschungsprojekte bzw. Forschungsschwerpunkte? Die Gesellschafts- und Kulturgeschichte der Psychiatrie im 19. und 20. Jahrhundert. Ich habe vor wenigen Wochen meine Habilitationsschrift zu dem Thema abgeschlossen.
Was sind Ihre weiteren Interessensgebiete? Fotogeschichte und -theorie; Museums- und Ausstellungswesen; Erinnerungskulturen; soziale Inklusion/Exklusion; Historische Anthropologie
Worauf freuen Sie sich besonders? Auf anregende Vorträge

Vor aller Augen
"Fotografien-wider-Willen" in den Kulturwissenschaften

Zur visuellen Hinterlassenschaft, die historische und gegenwartsbezogene Bildwissenschaften zu erforschen begonnen haben, gehören Fotografien, die gegen oder ohne den Willen der Abgebildeten entstanden sind: Fotos von verletzten Menschen, von misshandelten, toten Körpern, Bilder der Grausamkeit, der Angst oder des Schmerzes. Die Entstehungskontexte solcher "Fotografien-wider-Willen" differieren; Polizeifotografien gehören dazu, Aufnahmen des Krieges und des Kolonialismus, zum Teil auch der Medizin. Gemeinsam ist diesen Bildern, dass sich über quellenkritische Fragen nach ihrem Zustandekommen, ihrer Überlieferungs- und Gebrauchsgeschichte hinaus die Frage aufdrängt, wie sie angesehen werden.

Als Teil historischer Überlieferung und aktueller Medienproduktion sind solche Fotografien Gegenstand kulturwissenschaftlicher Aufmerksamkeit. Ihre Analyse ist indes auf den pragmatischen, wissenschaftlichen Umgang mit dem technisch reproduzierten Bild nicht zu reduzieren.

Das forschende Subjekt ist, weil es selbst auf die Bilder blickt, in das Dargestellte eingebunden. Zudem macht sich rasch eine gewisse "soziale Nervosität" bemerkbar, sobald die Aufnahmen im sozialen Raum – in Ausstellungen, Vorträgen oder Seminarveranstaltungen – zirkulieren. Zeigen und Anschauen müssen legitimiert werden, wobei nicht immer ersichtlich ist, ob die Fotografierten vor den Blicken der Betrachter oder die Betrachter vor den Zumutungen der Bilder geschützt werden sollen. Wie gehen, wäre also zu fragen, Sehen, Wissen und Zeigen zusammen, wenn die Blicke von Kulturwissenschaftler/innen auf Aufnahmen geschundener Körper, verletzter Menschen treffen? Welche Besonderheiten des Mediums Fotografie werden hier sichtbar und was heißt es, Worte zu finden für das, was die Bilder zeigen?

Der Vortrag diskutiert an ausgewählten Bildbeispielen verschiedene Antworten auf die Frage, warum diese Fotos gezeigt werden (sollen), ebenso wie Argumente, die gegen Veröffentlichungen vorgebracht werden können. Überlegungen, die bisher vor allem im Kontext der aktuellen Medienberichterstattung über Kriege vorgebracht werden, sollen für die kulturwissenschaftliche Bildanalyse reflektiert und diese damit auch in methodischer Hinsicht um ethische und politische Aspekte erweitert werden.

 
 
 
 
 
 
Der Vortrag von Cornelia Brink findet statt am:
Di | 25.9. | 11.45 Uhr
in P1
 
 
 
  Blogbeitrag zum Vortrag (1)  
 
 
  Blogbeitrag zum Vortrag (2)